Projekttage 2002

Von Aschenputtel und dem Kellergeist - ein Bericht aus der Lingener Tagespost vom 22. April 2002

Ein Märchen hören ist einfach. Es zu lesen ist schon viel schwieriger. Aber ein Märchen zum Leben zu erwecken durch Formen und Farben, Musik, Tanz und Theater setzt noch viel mehr voraus. Die Lust nämlich, Kreativität und Engagement nicht in ein Zeitkorsett von 45 Minuten zu schnüren. Am Freitag, dem 19. April 2002 haben wir zum Ende unserer Projektwoche Eltern und Interessierte in die Schule eingeladen. “Komm mit ins Märchenland” hieß das Thema. Die Eltern waren sehr überrascht über die enorme Fülle an Möglichkeiten, das Thema Märchen mit Inhalten zu füllen. Rektor Horst Hoppe durfte eine erwartungsvolle Besuchermenge auf dem Schulhof begrüßen. Den Auftakt machte ein orientalischer Zanz aus 1001 Nacht. Anschließend luden Jungen und Mädchen auf dem Hexenbesen, die offenbar direkt von Harry Potters Zauberschule Hogwarts nach Spelle geflogen waren, dazu ein, das “Märchenland Schule” zu betreten. Nicht von Zauberhand, sondern von tatkräftigen Müttern gemacht bzw. gebacken waren die unzähligen Kuchen, die nach einem ausgiebigen Rundgang in der Schule zum Verzehr bei einer Tasse Kaffee einluden. 13 klassische, aber auch moderne und unbekanntere Märchen hatten die 412 Kinder und 22 Lehrer/-innen innerhalb von nur vier Tagen in unterschiedlicher Form transparent gemacht. Lustige Heinzelmännchen im Eingangsbereich etwa waren bei Laubsägearbeiten entstanden, und Grimms Märchenfiguren in Schuhkartons.

Zum Zwecke der Projektarbeit wurden die Klassenverbände aufgelöst und 18 verschiedene Gruppen je nach Interessenlage der Kinder gebildet. So mussten Jüngere und Ältere miteinander “klar kommen” und lernten so nebenbei, dass gegenseitige Rücksichtnahme wichtig ist. Der konnte sich denn auch in jedem Klassenraum der Schule im wörtlichen Sinn sehen lassen. Hänsel und Gretel traten in einem Singspiel auf, Aschenputtel war leibhaftig beim Auflesen der Erbsen zu beobachten, in einem Schattentheater führten Kinder das Märchen vom König und den Riesen auf. Den Wolf und die sieben Geißlein konnten die beeindruckten Gäste sogar mit nach Hause nehmen - für drei Euro auf einer Hörspiel-CD. Eine Gruppe von Kindern hatte zu dem Märchen ein Drehbuch geschrieben, das Hörspiel mit Hilfe des Computers aufgenommen und abgemischt und schließlich auf CD gebrannt. 

Sogar ein Theaterstück in englischer Sprache stellten die Jungen und Mädchen vor. “The Ghost with one black eye” hieß das Märchen von einem Königspaar, deren jüngster, noch im Kinderbettchen liegender Sohn keine Probleme damit hatte, den Kellergeist in die Schranken zu weisen. Die Stärkung des Selbstbewusstseins der Kinder, die ihren Eltern voller Stolz die Ergebnisse ihrer Arbeit präsentierten, war ein wichtiges Ergebnis dieser Projektwoche. Andere werden auch nach dem Ende der gelungenen Schulveranstaltung noch weiter sichtbar bleiben. Das Märchen “Die beiden Brüder”, in dem ein naturverbundener Gärtner schließlich goldene Haare bekommt, war nämlich der Anlass zur Anlegung eines kleinen Schulgartens. Liebevoll hatten dort Jungen und Mädchen Blumen und anderes mehr gepflanzt.